ein Flugtag

IMG_0558Reden wir doch mal darüber, wie so ein typischer Flugtag abläuft.

Geflogen wird in den Sommermonaten (von Mitte März bis Mitte Oktober) üblichweise an Samstagen und Sonntagen. Hinzu kommen bestimmte Feiertage sowie manchmal auch ganze Wochen während der Schulferien.

Für die Flieger/innen beginnt der Tag üblicherweise um 09:30 Uhr mit dem sogenannten Piloten-Briefing. Hierbei geht es nicht um die Postverteilung; das Briefing ist vielmehr die tägliche und verpflichtende Besprechung aller Fliegerinnen und Flieger, der Fluglehrer sowie der Flugschüler. Es geht um die Fragen: Wie wird das Wetter? Wer will heute mit wem und mit welchem Flugzeug wohin fliegen? Welche Ausbildungsschritte stehen heute für die Flugschüler/innen an? Welche Aufgaben müssen verteilt und erledigt werden?

Sind diese Fragen für alle beantwortet, bricht allseitige Aktivität aus: Wer für ein_IGP5950 bestimmtes Flugzeug eingeteilt ist, sorgt zusammen mit den anderen dafür, dass dieses flugfertig gemacht wird. Flugzeuge, die im Hangar stehen, werden „ausgehallt“; jene, die sich auseinandergenommen in einem Anhänger befinden, werden „aufgerüstet“. Zudem werden alle Flugzeuge mit Bordstrom, Fallschirmen, den gesetzlich vorgeschriebenen Papieren und sonstigen Ausrüstungsgegenständen ausgestattet. Abschließend erfolgt ein gründlicher und standardisierter Rundum-Check, ob alle notwendigen Schritte auch wirklich ordnungsgemäß durchgeführt wurden.

Da wir uns üblicherweise den ganzen Tag lang draußen auf dem Flugplatz aufhalten, nehmen wir auch noch unseren Lepo und dessen Anhänger mit, in welche jeder sein persönliches Material bzw. Verpflegung einpackt.

Für diejenigen, die an einem solchen Tag nicht fliegen weil sie einen der turnusmäßigen Dienste für den Flugbetrieb leisten müssen, gilt ähnliches: Windenfahrer, Lepofahrer und Startleiter holen sich ihr jeweiliges Gerät und bereiten sich in ähnlicher Weise darauf vor, nach rund einer Stunde einsatzbereit zu sein.

Unterdessen zieht (je nach Wind- und Startrichtung) eine kleine Karawane verschiedenster Flugzeuge der einzelnen Vereine zum jeweiligen Startplatz: entweder zu dem sogenannten Windenstartplatz oder zu der Piste, an der das Motorflugzeug D-EASG (eine Robin DR400) die sogenannten F-Schlepps durchführt.

IMG_0523In diesem Rythmus vergeht dann der Tag: Auf Start folgt Landung, auf Landung folgt Start. Wer gerade nicht fliegt, sorgt am Boden dafür, dass Pilot und Maschine schnell wieder in die Luft kommen. Flugzeuge, die gelandet sind, müssen von Hand wieder an den Startplatz zurückgeschoben werden. Am Startplatz selber sorgt ein eingespieltes Verfahren dafür, dass die Starts aller Flugzeuge schnell und sicher ablaufen. Auch hier ist jeder einzelne gefragt. Spätestens hier wird deutlich: (Segel-)Fliegen ist Teamsport.

Bisweilen werden solche Tage noch durch bestimmte Highlights aufgelockert:DSC04321 Manchmal geht einem Streckenflieger unterwegs die Thermik aus und er landet irgendwo im Nirgendwo auf einem Acker. Dann muss der entsprechende Anhänger klar gemacht werden und eine Rückhol-Mannschaft fährt raus, um den Betreffenden wieder einzusammeln.

Außerdem kommt es vor, dass Flugschüler zum Ende ihrer sog. A-Ausbildung endlich ihre ersehnten Alleinflüge machen können. Wohl kaum ein anderes Ereignis in der fliegerischen Ausbildung ist für den Einzelnen so bedeutsam wie dieser Schritt. Fliegt ein/e Flugschüler/in die A-Prüfung, erscheinen zu der anschließenden Ehrung alle Mitglieder auch der übrigen Vereine. Das nachfolgende Ritual wirkt leicht _IGP7172martialisch, kommt aber seit Jahrzehnten gut an: Der Fluglehrer wässert mit einem vollen Eimer dem glücklichen Aspiranten den Hosenboden; danach sorgt die versammelte Menge mit einem kräftigen Schlag auf die gleiche Gegend dafür, dass der ehemalige „Fußgänger“ im Hinterteil immer die nötige Sensibilität hat, um Thermik zu erspüren. Es folgen abschließend „Fliegerstrauß“ und Gratulationsrunde. Wer solches erlebt hat, vergisst es nie mehr.

Der übliche Flugbetrieb dauert an Wochenenden bis ca. 18:00 Uhr. Dann werden die Arbeiten vom Morgen wieder rückwärts abgewickelt: Die Flugzeuge werden gereinigt, abgerüstet und eingehallt. Sind Wartungsarbeiten notwendig geworden, werden diese nach Möglichkeit umgehend erledigt. Zudem müssen noch die Flug- und Bordbücher sowie die Startliste geschrieben werden. Alles in allem wird der Flugbetrieb zwischen 19:00 Uhr und 20:00 Uhr abgeschlossen.

IMGP1861Meist folgt dann der gemütliche Teil des Abends: Der Grill wird gestartet, die Theke besetzt – und dann ist Zeit für’s Fliegerlatein.

Klingt das jetzt nach Fliegerromantik? Ja, durchaus – aber so läuft es im Grunde Wochenende für Wochenende ab.

Also: Man sieht sich.